Namibia: Wenn die Flut ein Herz hat …

jedes mal anders, jedes mal neu: eine exkursion nach sandwich harbour. immer entlang der atlantik-küste namibias. von walfish bay sind es etwas mehr als 40 kilometer. auf einem schmalen fahrstreifen, an dessen rändern sich links die dünen-giganten der namib wüste erheben und rechts die brandung des atlantiks (rückwärts andersrum) dem auto hie und da bedrohlich nahe kommt. das geht meistens gut, manchmal auch nicht, manchmal wird es knapp.

es kommt darauf an. auf den ozean. er entscheidet, ob der schmale grat, die rede ist vom strand, befahrbar ist oder, ob er ihn bei flut einfach wegspült. hier herrschen die naturgewalten. noch. und das ist in ordnung so. jedenfalls: am strand geht es entlang. es ist der kürzeste weg. machmal ist der aber versperrt. wie gesagt,  unkontrollierbare flut. sicher ist, sie kommt ab vier uhr nachmittags. wie stark, wie gewaltig, das weiss niemand. sandwich harbour ist nur bei ebbe zu erreichen. und nur mit einem geländetauglichen  fahrzeug, besser zwei. und mit tourguide. sicher ist sicher. und selbst dann ist es nicht sicher, ob man es schafft. klar, die flut. erst wenn man die enge stelle, nach etwa 30 km erreicht, weiss man, was die flut vom vortag „angerichtet“ hat. hatte sie ein herz? dann  überlässt sie den besuchern gnädig einen schmalen streifen an fahrbarem untergrund. war sie schlecht gelaunt, stellen sich den touristen schroffe felsen entgegen. eine deutlich botschaft: heute nicht. heute braucht sandwich harbour seine ruhe. niemand hat es in der hand. ausser, die flut, ausser mutter natur.

 

diese tour ist ein längst ein mythos. für einheimische. für urlauber. abenteurliche geschichten ranken sich um den weg nach „sandwich“. regelrechte dramen. sie erzählen von land rovern und land cruisern, die sich das meer wie eine gefräßige riesen-monsterkrake – samt mensch und maschine – vom strand gegriffen und verschlungen hat. und nie mehr gesehen wurden, berichtet unser tourguide. es ist still im auto. denn die geschichten sind wahr. „und das waren alles spezialisten. unverbesserlichkeits- und besserwisserei-spezialisten. sie hatten eigentlich von allem genug: top-ausgestatter 4×4. top kleidung. top ausrüstung. nur das wichtigste hatten sie nicht: ahnung. von den gezeiten, vom fahren auf sand und vom navigieren.“ das sitzt. gut. gut, dass wir mit dem tourguide unterwegs sind. der arbeitet am steuer wie ein ackergaul, umfasst das lenkrad so fest, dass die fingerknöchel weiss hervortreten. so bleibt der landy im tiefen sand in der spur und auf kurs. leider wollen auch die mittlerweile vielen hobby-offroader es dem tourguide gleich tun. auf dem weg nach „hinten“, trifft man die leider immer öfter. die dünen haben es ihnen angetan und werden von ihren tonnenschweren 4×4 maschinen beackert. dem ökosystem tut das nicht gut. denn es ist nicht einfach nur sand hier. was viele nicht wissen: der sand, die dünen, die wüste sind auch lebensraum. wer das nicht glaubt, der sollte unbedingt eine „living desert“ tour besuchen, bevor er hinter walfish bay die luft aus den grobstolligen reifen lässt.

warum heißt sandwich harbour eigentlich sandwich harbour? a), weil man, wenn man dort ankommt, gerade so viel zeit hat, sich mit einem sandwich zu stärken, um dann sofort wieder den rückweg anzutreten, denn, richtig, um 4 uhr kommt ja die flut?. oder b) weil sandwich harbour ein lagune ist, in deren innerem im sandwich von sandwüste, dünen und landzunge, sich, wie durch ein wunder, eine vielfälitge vogelwelt befindet. enten. zum beispiel. gewöhnliche enten. ja. wie man sie aus mitteleuropäischen seen, flüssen und anderen binnnegewässern kennt. die zweite besonderheit: hier auf diesem dünnen streifen zwischen wüste und ozean, befinden sich auch kleine süsswasser seen, manchmal größer, manchmal als kleine teiche oder tümpel. woher kommt das wasser? wir passieren das warnschild „no vehicles beyond this point“, laufen richtung lagune. der untergrund wird morastig, wir sinken ein. das wasser des kuiseb drückt durch. daher also das süsswasser. hinter uns tobt der ozean, aber die landzunge beschützt uns. nein, b) inhaltlich zwar korrekt, aber die falsche antwort. es ist doch immer c)!  und das geht so: das walfänger-schiff „sandwich“ kreuzte in den jahren 1785/86 vor diesem küstenabschnitt. captain shield kartografierte diesen landstrich erstmals für die east india company und benannte das heutige naturreservat nach seinem schiff „sandwich“. bis vor ca. 100 jahren war sandwich harbour tatsächlich noch für schiffe befahrbar. die ankerten auch deshalb in der nebelfreien und geschützten lagune, weil es hier süsswasser gab. heute versandet die lagune zunehmend. damit wird auch der lebensraum für dieses einzigartige ökosystem immer kleiner. so ist das eben. die naturgewalten messen sich im spiel ihrer ureigensten kräfte. hier lässt der mensch sie noch schalten und walten.

Wir müssen zurück … die Flut kommt …

mittagspause. es gibt, klar, sandwiches, obst und getränke.

und dann müssen wir uns auch schon wieder auf den 40 km langen rückweg nach walfish bay aufmachen. die gezeiten. klar, die flut. sie kommt. auf dem rückweg nach walfish bay immer von links. und sie wird diesen küstenabschnitt wieder ein stück weit verändern. ganz herzlos. einfach so. und das ist gerade das schöne.

 

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