Gebrauchsanweisung

noch ein bamberg-buch. ausgerechnet. bei der buchvorstellung wird jedoch schnell klar: dies ist nicht einfach nur ein bamberg-buch. „bamberg hoch sieben“ ist eine „gebrauchsanweisung“. und genau deshalb einzigartig.

 

 

 

neugier und entdeckerfreude, das sind wohl die beiden antriebsfedern, die Johannes Wilkes und illustratorin Nichola Priestley dazu bewogen haben ihr werk in angriff zu nehmen. und: beide lieben bamberg. „bamberg hat mich seit meinem ersten besuch gepackt. ich kenne kaum eine zweite stadt, die so viele perspektiven bietet“, gesteht Wilkes, der schön öfter mit der illustratorin Nichola Priestley zusammen gearbeitet hat.

bringen ihre bamberg-leidenschaft in „bamberg hoch sieben“ zum ausdruck: autor Johannes Wilkes und illustratorin Nichola Priestley

der „drache dotterweich“ stammt aus der feder bzw. dem zeichenstift des erfolgreichen kreativteams Wilkes/Priestley. mit „bamberg hoch sieben“ ist es den beiden jetzt gelungen, im zwischenzeitlich unüberschaubaren dschungel der städte- und reiseliteratur über bamberg, ein buntes ausrufezeichen zu setzen. „bamberg hoch sieben“ ist kein reiseführer, kein stadtführer im klassischen sinne. die autoren selbst nennen ihr werk eine „gebrauchsanweisung. mit empfehlendem charakter versteht sich.

allerhand skurrilitäten

Johannes Wilkes analysiert bamberg dabei aus der perspektive eines nicht-bambergers. und das ist sehr erfrischend. allerhand skurrilitäten („wenn sie ein schwein schlachten wollen“ oder „wenn Sie fußballfan sind, ihre frau aber unbedingt ein konzert besuchen möchte“ oder „wie man das priesterseminar wieder füllen könnte“) aus und über bamberg warten auf die leser. dabei dürfte Wilkes auch für bamberg-kenner teils neue an- und einsichten zu tage befördern. „die außenperspektive kann sehr hilfreich sein. man sieht dinge, die man, wenn man schon dauernd dort ist, vielleicht nicht sieht“, erklärt er vorvergangene woche bei der buchvorstellung in der buchhandlung Görres. und genau das ist sein schlüssel. deswegen gelingt es Wilkes bambergs facetten und befindlichkeiten auf höchst unkonventionelle art und weise mit einer kurzweiligen sprache sehr unterhaltsam zu ergründen. das liegt vielleicht auch ein bisschen daran, dass er im hauptberuf psychotherapeut ist. „mich interessieren die dinge unterhalb der oberfläche“, beschreibt er seine von berufs wegen obligatorische „entdeckerfreude“. auch im bamberg-buch spiegelt sich das überall wieder. „die tieferen schichten bambergs zu entdecken, so bin ich an die arbeit gegangen.“ nie wird Wilkes müde nach dem warum und dem wieso zu fragen. die antworten sind „etwa zu 80% erstaunlicherweise wahrheit und zu 20% dichtung“, gesteht der aus nordrhein-westfalen stammende und jetzt im „nüchternen“ erlangen lebende autor.

die „gebrauchsanweisung“ richtet sich keineswegs nur an nicht-bamberger, die als touristen und urlauber in die weltkulturerbestadt reisen.  „auch alle jenen, die schon länger hier leben, bietet ‚bamberg hoch sieben’ viel interessantes.“ das liegt an Wilkes’ bewusst stilisierter spitzbübischer naivität, mit der er seinen untersuchungsgegenstand erforscht. es bereitet ihm offensichtlich eine geradezu lausbubenartige freude, aus unkonventionellen fragestellungen höchst amüsante geschichten entstehen zu lassen.  warum die bamberger damen so sexy sind? wer war das pferd des bamberger reiters? wie können exil-bamberger in der fremde den mangel an heimat kompensieren? oder: wie um alles in der welt es ein meeresgott – nämlich neptun oder besser gesagt der „goblmoo“ – nach bamberg geschafft hat und welche rolle der delphin „flipper“ in der geschichte des heute beliebten treffpunktes spielt?

das buch findet gefallen. auch bei eingefleischten bambergern, von denen gut und gerne 40 zur buchvorstellung erschienen sind. darunter auch der ehemalige sound city group frontmann Bernd Hartmann, der nicht nur den literarischen abend musikalisch umrahmte – u.a. mit dem song „arme kleine sheila“ zum buchkapitel „über die paarbildung der bamberger in den siebziger jahren“ – sondern zum buch auch das bamberg-lied „bamberg gibbds scho dausnd joäh“ komponiert hat.

sieben-hügel-psychogramm

höhepunkt in „bamberg hoch sieben“ ist zweifellos das sogenannte hügel-psychogramm. wie sollte es anders sein: bamberg steht auf sieben hügeln, deshalb gibt es konsequenterweise auch sieben hügeltypen, die Wilkes im rahmen einer feldstudie definiert hat. es funktioniert ganz einfach: den lieblingshügel aussuchen und „bamberg hoch sieben“ verrät dem leser welche charaktereigenschaften ihn, also den hügeltypen, auszeichnen. „da ist zum beispiel der abtsberg. bei spaziergängen durch die domstadt, haben wir uns gefragt, warum ist ausgerechnet auf diesem berg kein kirchturm zu sehen? das erschien uns eigenartig. wer bzw. welche menschen gehen da wohl spazieren? auffällig war auch der stephansberg, denn da torkelten schon einige gestalten den berg hinunter. na ja, und ab da fängt man dann eben an zu phantasieren. und so entstanden die berg- oder hügeltypen“. eines sei vorweg verraten: der stephansberg-typ ist ein sehr beliebter typ. ob nun tourist oder einheimischer, dieser phänotyp ist im fränkischen rom sehr häufig vorzufinden. und das ist keinesfalls negativ gemeint.

Wilkes schreibt mit viel liebe fürs detail. und dass der autor selbst viel spass bei seiner arbeit hatte, merkt man dem buch in jeder zeile an. bamberg hat es Wilkes spürbar angetan. „man sieht immer wieder etwas neues“, berichtet er, nicht ohne darauf hinzuweisen, dass er bei der arbeit zum buch unterstützung hatte. „als gebürtiger bamberger hat Klaus Vogt mir wertvolle informationen geliefert, die man als außenstehender nicht so bekommt“, räumt Wilkes ein. man darf insofern gespannt sein, welche informationen der bamberger Klaus Vogt noch anwWilkes weiterreichen wird und zu welchem ergebnis die das kreativteam Wilkes/Preistley dann führen werden. „bamberg hoch sieben – teil 2“ wäre jedenfalls naheliegend.

Johannes Wilkes/Nichola Priestley, Bamberg7, Mönau-Verlag, Erlangen 2012,
ISBN: 978-3-935557-63-0, Festeinband, 14,80 EUR


Ein Kommentar

  1. Hi Jochen! Bravo! Sehr gut und unterhaltsam geschrieben. Vielleicht sind diese ganzen Anzeigenblätter in Bamberg und Umgebung, FN usw. an Deinem Artikel interessiert.
    Beste Grüße Klaus

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