Fränkisches Bier nach England

Bier nach England: Und noch mal schnell zu Hause anrufen!Es ist nicht einfach im Alter Geld zu verdienen. Vor allem dann, wenn man muss, wenn die Rente nicht reicht. Der Bierkutscher Klaus zeigt wie es geht. Indem er Bier nach England bringt. ennosspheres.net ist mitgefahren. Ein Reise-Psychogramm.

Ist es das Naheliegendste, fränkisches Bier in die weite Ferne zu transportieren? Für den Bierkutscher Klaus schon. Vielleicht auch deshalb, weil nicht alles so glatt lief in seinem Leben. Er hat den einen oder anderen Schiffbruch hingelegt, ist auf gewisse Riffs aufgelaufen. Viele Pannen und Ernüchterungen hat er schon erlebt, sagt er, aber auch verdammt spannend und abwechslungsreich war es sein bisheriges Leben und ist es bis heute noch.Frühes Werk: Ein echter KLAUS Bücher hat er schon geschrieben. Als Künstler hat er es auch schon versucht und Bilder gemalt. Anfangs sehr erfolgreich, wurde er als Unternehmer schließlich über den Tisch gezogen, wie er sagt, hat kurz danach einen Neustart versucht, der irgendwie nicht so richtig hinhauen wollte, auch aus gesundheitlichen Gründen. Damals, so erzählt er, „war ich einfach nur irre erschöpft und enttäuscht. 2003 verließ Klaus Deutschland Richtung England. Dort machte er einen 6-wöchigen Sprachkurs. An der Ostküste Englands. In Yorkshire („Eine Landschaft wie Franken und mit ähnlichen Sturköpfen.“) bandelte mit einer Engländerin an und arbeitete 1 ½ Jahre auf einer Farm als „Reliefmilker“ (Aushilfsmelker). Übrigens sehr erfolgreich, sagt er. „Die tägliche Milchquote wuchs während meiner Zeit um nahezu 40 %.“ Peter, sein Boss, bestätigte ihm bei einem späteren Wiedersehen, „dass es mit seinem Ausscheiden tatsächlich wieder bergab ging.“ MIt seiner weiblichen Begleitung kehrte er also wieder zurück in seine Heimat, bevor es dann in der Schweiz die nächste schwere Niederlage setzte. „Aber das ist eine andere Geschichte“, winkt er ab.

Stehaufmännchen

Die Gabe, ein echtes Stehaufmännchen zu sein, nimmt ihm niemand. Viel erlebt hat er, der Bierkutscher Klaus. Und das Leben war nicht immer fair zu ihm. Er sei ohne Eltern, als Waise in einem katholischen Internat in Bamberg aufgewachsen und „erzogen“ worden, betont er. Er wurde geschlagen, nein, „gezüchtigt“, korrigiert er. Und doch steht er heute „recht aufrecht“ da. Er hat viel verloren, nur seine Ideen und seinen Mut nicht. Sich immer wieder auf Neues einzulassen, neugierig zu sein, das ist ihm geblieben. Und diese Gabe, ein echtes Stehaufmännchen zu sein, kann ihm niemand nehmen. Jetzt also Bier nach England. „Muss sein“, sagt er. Ein Besuch aus England war der Anlass für eine neue Mutprobe. „Nic und Yves, hatten die „erpresserische“ Idee, als sie meinten, wir fahren nicht eher nach Haus, bevor Du uns nicht versprichst, uns mit dem wunderbaren fränkischen Bier zu beglücken und zu beliefern.“ So sei es eben gekommen, Bier nach England zu liefern. „Sonst wären Nic und Yves ja immer noch in Bamberg“, lacht er. Diese Entscheidung zu treffen war für den „Engländer“ – so nennen ihn heute schon einige Freunde – aber auch nicht wirklich schwer. Denn der Bierkutscher findet England unheimlich schön und cool. Besonders die fränkisch anmutende Gegend von Yorkshire im Norden Englands hat es ihm angetan. Andererseits, wir wissen es alle, sind Engländer große Biertrinker, mitunter auch regelrechte Schluckspechte. „Ihr Bier schmeckt aber nicht so gut wie unseres“, sagt der 65jährige, dem man sein Alter nicht ansieht.

Er legt sich hinten auf's Ohr, ich fahre Er legt sich hinten auf’s Ohr, ich fahre. Da wäre also ein in die Jahre gekommener Kleintransporter mit 90 Diesel-PS. Er nennt den grünen Ford Transit liebvoll „Emma“, eine „SIE“ also, und ein gemieteter Trailer. Die Ladung des Gespanns: Etwa zwei Tonnen Bier. Verschiedenste Sorten. Die Fracht verteilt sich auf achtzehn 30-Liter-Fässer und jede Menge Kästen. „Wir sind leicht drüber“, kommentiert der Bierkutscher lapidar. Das sei kein Problem, während uns hinten das mächtige Gewicht des Anhängers auf der A3 irgendwo bei Würzburg einen Berg hinunter stößt und heftig über die Vorderachse schiebt. Das erfordert Feingefühl beim Lenken und beim Fahren. Er liegt hinten im Transporter, genau dort, wo sonst die Sitzbänke montiert sind. Unter ihm ein Holzbrett, das wiederum auf neun der 18 Fässer aufliegt und uns mit ein paar Decken obendrauf als Schlafkoje dient. Der eine fährt, der andere legt sich hinten aufs Ohr. „Nicht schneller als 85“, mahnt der Bierkutscher aus der Koje. Der Fahrer, also ich, wundert sich und feiert ein Fest, wenn Emma gerade mal so die 80 erreicht. Man solle keine Witze über Emma machen, die merke sich das und schließlich wolle man ja in England ankommen und von dort wieder zurück nach Hause.

Emma Es ist die Oktobertour. Mit „Emma“, uns beiden und über 1000 Litern oberfränkischem Bier. Verschiedenste Sorten. Weizen. Keller. Hell. Pils. Märzen. Rauchbier. Zwickel. Alles an Bord. Klar. Die erste Etappe: Von Bamberg in die französische Hafenstadt Calais. 800 km. „Bis dahin werden wir ca. 14 Stunden brauchen“, sagt der Bierkutscher mit seiner bierkutscherhaften Routine. Er ist 65. Wie gesagt. Etwas mehr als 20 Jahre liegen zwischen uns. Und noch einmal betont er: „Meine Rente reicht hinten und vorne nicht.“ Warum keine höhere Rente? Richtig: Es lief nicht alles glatt in seinem Leben. Deshalb fährt er also jetzt Bier. Nach England. Und deshalb bin ich jetzt hier. Weil nicht alles glatt lief.

Angefangen hatte er mit einem VOLVO Kombi. „Den hab ich hinten aufgelastet und die Flaschen einzeln reingelegt. Der lag wie ein Brett auf der Straße“, erzählt er und gerät dabei ins Schwärmen. Schon bald aber wurde er zu klein. Deshalb also jetzt „Emma“. Bevor er allerdings auf große Englandtour geht, muss jede Menge organisatorische Arbeit erledigt werden. Bestelleingang prüfen und danach Tour und Ladung zusammenstellen. Passt wirklich alles in Van und Trailer? Dann die Ware einkaufen. „Es ist immer ein Problem für mich alles vorfinanzieren zu müssen. Ist ja kein Online-Geschäft“, sagt er. „Ich kann das alles nur machen, weil mein Cousin und Freunde mir vertrauen und in Vorleistung gehen.“ Was er in England einnimmt, benötigt er fürs Auto und sein Leben. Ein Leben von der Hand in den Mund. Das heißt zunächst einmal: Organisieren. Alleine. Durch ganz Oberfranken gondeln und die Ware beschaffen. Ein logistischer und physischer Kraftakt. Es dauert gut und gerne eine Woche, bis er die Ware für eine Tour zusammen hat. Dann laden. Dann „Paperwork“, wie er es abschätzig nennt. Denn Papierkram mag er nicht. Kein Wunder. Die Arbeit, die er dabei leistet, ist unter anderem für den britischen Zoll. Dabei verdient er nichts. „Bei dieser Ladung komme ich auf gut 700 Pfund Verbrauchssteuer, die ich an den britischen Zoll abführen muss.“ Die Steuer ergibt sich aus der Summe des Alkoholgehaltes des mitgeführten Bieres. „Die muss’te halt in deine Preise einkalkulieren“, klärt er mich auf. Ärgern tut er sich trotzdem darüber.

Das Resultat unserer Gespräche führt uns immer wieder ins Hier und Jetzt.

Auf dem belgischen Highway durch die NachtEs wird schön langsam dunkel. Wir gleiten die A3 Richtung Belgien entlang. Hinein in die Nacht. Hier, hinter Köln, wird es flacher. Das kommt uns entgegen. Emma auch. Sie zieht den tonnenschweren Hänger, uns beide und die über 1000 Liter Bier mit 85 Sachen stramm Richtung Ärmelkanal. Lüttich, Brüssel, Dünkirchen. Der Weg will einfach kein Ende nehmen. Und schlafen kann der Bierkutscher auch nicht. Beim Tankstop kommt er nach vorne. Wir reden, unterhalten uns übers Bierkutschieren, sein Leben, mein Leben, die Welt, Politik und wieder über das Bierkutschieren. Das Resultat unserer Gespräche führt uns immer wieder ins Hier und Jetzt, in die Einöde zwischen Dünkirchen und Calais und zum Blick auf Emmas zitternde Tachonadel. Wie aus Eimern schüttet es jetzt. Ob ich nicht einmal Pause machen will, fragt er. Nee. Ich zieh das jetzt durch. Bis nach Calais. Das Schiff ist so gut wie leer. An Bord gönne ich mir ein Pint Murphy’s für drei Pfund fünfzehn und lege mich dann für eine Stunde aufs Ohr.

Dover – Henlow. Ab jetzt geht der Bierkutscher seiner Tätigkeit nach. Durch die englische Nacht quält sich Emma die White Cliffs von Dover hinauf. Über den „Orbital“ an London vorbei, dann zwei Stunden Pause an irgendeiner Service Station nördlich von London. Wer hier länger steht, zahlt. Und zwar viel, viel Geld. Bis zu 25 Pfund verlangen die Service Stationen von ihren Übernachtungsgästen dafür, dass die sich in ihrem Auto mal aufs Ohr legen. „Dafür darf man in England an den Autobahnraststätten auch die Duschen umsonst benutzen“, erklärt der Bierkutscher. Und der Parkplatz ist videoüberwacht. Immerhin. Wir bleiben exakt zwei Stunden. Keine Sekunde länger.

„I love Fassla“

Es findet sich immer ein Grund ... In Henlow wartet man schon auf uns …“I love Fassla!“Noch 40 Meilen bis Henlow. Der eklige Regen hat aufgehört. Die Sonne scheint und wärmt uns. Gegen halb zehn morgens sind wir da. „Viel zu früh“, wie der Bierkutscher sagt. Wir parken vor dem „Engeneers Arms“, Henlows einzigem Pub. Kevin, der Chef, ist noch nicht da. Wir rufen ihn auf dem Handy an. „I thought you are coming next week?“, fragt Kevin überrascht, freut sich aber, dass wir hier sind. Man kennt sich. Denn erst vor ein paar Wochen war Kevin mit einer Gruppe auf Bierreise in Bamberg. „I love Fassla“, sagt er immer wieder. „It is called Fässla. With a german „ä“, berichtigen wir ihn freundlich. „Fassla. Was that better?“ Kevins Lieferung: 20 Kästen. Zwar nicht viel, aber für Emma eine spürbare Erleichterung.

Das Henlow Beer Fest kann beginnen ....Für den frühen Abend verabreden wir uns in Kevins Pub. Dann kommen auch George, John, Allen und alle anderen, die wir schon in Bamberg kennengelernt haben. Das eine oder andere Pint wird heute wohl getrunken werden. Bis dahin müssen wir aber den Tag über die Bühne bringen. Es sind keine 15 Meilen bis nach Bedford. Genau. Bambergs Patenstadt. Und wenn man schon mal da ist?

Zurück nach Henlow. Die Jungs im Pub warten. Großes Hallo als wir eintreffen. Und direkt das erste Pint. Der Bierkutscher hält sich zurück. Gut so. Denn am nächsten Tage müssen wir weiter. Nach Cardiff. 500 km. Vorher aber noch ein Pint. Mit Kevin, George, John, Allen und allen anderen. Deutsch-Englische Freundschaft. Wir singen sogar „Lilly Marlen“. Englisch freilich. Und mit Inbrunst!

Weiter. Immer weiter nach Westen. Es regnet. Das Ziel: Cardiff. Ein weiter Weg. Für uns. Für Emma. Für das Bier. Aber naheliegend. Auch für mich jetzt. Seit gestern Abend habe ich verstanden, warum sich der Bierkutscher diese Tortour aus einsammeln, beladen, fahren, entladen, einsammeln, fahren antut. „Weil es mir Spass macht“, sagt er mir auf dem Weg nach „Caerdydd“. Ich verstehe ihn. Lauter nette Menschen hier. „Und der persönliche Kontakt zu meinen Kunden ist mir wichtig.“ Chapter, Cardiff Deshalb macht er auch Dave, dem Kellermeister im „Chapter“ein Geschenk. Er bringt ihm Nieren- und Blasentee mit, denn Dave hat’s mit der Blase. Waliser wie Engländer wissen solche Aufmerksamkeiten zu schätzen. Und: Der Bierkutscher ist pünktlich. Auch in Cardiff laufen wir auf die Sekunde genau ein. Das beeindruckt Dave, der fast die gesamte Ladung bekommt. Alle Fässer und jede Menge Kästen. Nachdem wir ausgeladen haben, gibt uns Dave ein Essen im „Chapter“ aus. Dort ist demnächst „Oktoberfest“. Deshalb auch die vielen deutschen Biere. Ein sehr cooler Laden, mit Pub, Kino, Theater und Kunstgalerie. Hip. Modern. Urban. Sehr angenehm, auch wenn es, wie der 2. Kellermeister Paul sagt, oft regnet. So wie heute. Wir essen und verabschieden uns von Dave und Paul. Morgen haben wir frei. Sightseeing!

Cardiff ist cool. In jeder Hinsicht. Nicht nur die Cardiff Bay und die Waterfront machen die walisische Hauptstadt zu einem absolut Chapter, Cardiff: Backdoorslebenswerten Platz auf diesem Planeten. Regen hin. Regen her. Macht nix. Auch außenrum laden die walisischen Berge für ausgiebige Wanderungen ein. Wir aber bleiben in der Stadt. Angesichts des teueren Eintritts ins berühmte Cardiff Castle – immerhin 15 britische Pfund – entscheiden wir uns gegen eine Besichtigung und bevorzugen vielmehr die Stadtrundfahrt und Doppeldeckerbus, die uns zu den alten Kohle-Docks und zum Millennium Square bringt. Beeindruckend. Ultramodern ragt dort der Millennium Center in den walisischen Himmel, der jetMillenium Center, Cardiff

zt in kräftigem Blau strahlt. Ein tolles Gebäude für Veranstaltungen aller Art. In jedem Fall aber das Zentrum walisischer Kultur und ein Denkmal ihrer Identität. Wir laufen die Waterfront, der Bespaßungsmeile mit Pubs, Restaurants und Bars, entlang. Von dort haben wir einen hervorragenden Blick auf die Bay. Wassersport wird in Cardiff großgeschrieben. Das sehen wir hier. Fühlt sich gut an, das alles hier mit dem Bierkutscher zu erleben. Irgendwie. Hab das Gefühl, dass wir uns das beide redlich verdient haben.Home of Welsh Rugby: Millienium Stadium

Mit dem Bus zurück in die City. Dort fällt uns auf, dass plötzlich auffällig viele Menschen in irgendwelchen Fantrikots vor einem Pub stehen. Ich frage nach, was ist da los. Die „Blues“ spielen heute. Aha. Rugby also. Und direkt hinter dem Pub thront der Stolz von Wales: Das, wie sollte es auch anders sein, Millennium Stadium. „Home of Welsh Rugby“, steht da geschrieben. Ich weiss nicht, wie viele Zuschauer das Stadion fasst, aber 80.000 dürften es schon sein. Direkt daneben: Der kleinere Arms Park. Dort gibt es heute Abend ein Ligaspiel.Home of Cardif Blues: Arms Park

Die Blues, also Cardiff, gegen irgendwelche Schotten aus Glasgow. Wir entschließen uns dahin zu gehen. Ein grausames Spiel. Cardiff verliert haushoch. Die Schotten spielen wie aus einer anderen Liga. Aber, wir waren beim Rugby. Und die Cardiff-Fans, immerhin ein paar tausend, stehen trotzdem zu ihrem Team. <br /> „Ich versteh des net“, sagt hingegen der Bierkutscher nur zu mir und zündet sich eine Kippe an. „A echter Scheiss des Rugby.“ Na ja. Ich fand’s schön.Auch in Walmer hat man sich bestens vorbereitet

500 km zurück. Nach Dover. Wir wollen ja wieder aufs Festland. Vorher aber noch in Walmer zwei Lieferung abgeben. Immer ein paar Kästen. Dann ist Emma leer. So auch das Servo-Öl. Das macht uns Sorgen. Bei der vorletzten Auslieferung verfällt der Bierkutscher in einen regelrechten Rausch. Er will rückwärts aus dem Parkplatz raus fahren, auf dem wir zum Entladen das Gespann abgestellt haben. Mit dem Trailer. Rückwärts. Unbedingt. Unabhängig davon, dass ich mich ja eher auf der Straße einfach in Fahrtrichtung hingestellt hätte, kurbelt er jetzt rechts, links, rechts, links – mich lässt er nicht ans Steuer. Das Servo-Öl spritzt nur so aus dem kaputten Schlauch heraus.

15 Pfund später, soviel kostete ein neues Öl bei der Tanke, ist alles wieder ok und wir beide haben uns wieder vertragen. Wir fahren zu unserem letzten Abnehmer in Walmer. Der Pub liegt wunderschön in einer idyllischen Bucht, die man nur über eine steile Abfahrt hinunter ans Meer erreicht. Hier scheint alles wie in Watte gepackt. Wir laden aus und machen eine kleine Pause.Dover

Es ist später Nachmittag, die Fähren zwischen Dover und Calais fahren in die untergehende Sonne, direkt vor mir – zum Greifen nah – schaukelt das imposante Schiff der britischen „Coastguards“ im leichten Wellengang. Ob es hier für die etwas zu tun gibt? Sieht nicht so aus. Alles ist etwas langsamer, etwas stiller, etwas bedächtiger.

Wieder Hunger. Im Pub oberhalb der Cliffs, bewirtet von einem jungen Paar, füllen wir unsere leeren Mägen. Während sie in der Küche steht, kommt der Bierkutscher mit ihm ins Gespräch. Es sei nicht einfach, denn er sei nicht von hier, komme aus Mittelengland, und da sei es schon schwer die ortsansässigen Leute dazu zu bewegen, in den Pub zu gehen. „Hier auf dem Land, im äußersten Süden Englands, kennt mich niemand“, sagt er. Er tut uns leid. So leid, dass der Bierkutscher ihm sogar eine Zusammenstellung seines Biersortiments abkauft. „Muss ja wissen, warum das nicht läuft hier“, sagt er. Am Bier jedenfalls liegt es nicht, soviel ist sicher. Im Pub lümmeln vier Hausfrauen auf ihren Plätzen vor dem Kamin und warten gelangweilt auf weitere Gäste. „Heute ist Quiz-Abend. Die Ladies wollen mir dabei helfen, dass hier irgendjemand reinkommt“, sagt er. Dass es niemand wagt, den Pub zu betreten, hat wohl andere Gründe. Es bleibt im weiteren Verlauf des Abends leer. Bis auf die vier Ladies und uns. Die anderen drei Pubs des Dorfes sind voll. Nur, da gab es nichts zu essen. Deshalb sind wir hier gelandet. Komisch. Die scheinen den Mittelengländer nicht zu mögen … er tut uns wirklich leid … wir kommen   wieder! Ganratiert.

Wales ist überall ....

22 Uhr, Dover, Ferryport-Terminal.  Nach eineinhalb Stunden Überfahrt wieder auf der Autobahn. „Emma“ zieht durch die Nacht. Leer hier. Verdammt leer. Calais – Brüssel – Köln – Frankfurt – Würzburg – Bamberg. Was sich so kurz anhört, ist doch so weit. Und naheliegend. Bier nach England …. es scheint, als ob Klaus noch lange nicht am Ende seiner Reise angekommen ist. Wer weiß, wohin es ihn als nächstes verschlägt, was er als nächstes vor hat. In vier Wochen geht es aber erst einmal von vorne los. Zurück nach England, zu den Menschen, die Freunde geworden sind, ihren Geschichten und den Platz, den er so schön findet.

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