Pilsen ist relativ.

Nichts los in Pilsen

Nichts los in Pilsen

Es hätte mir beinahe wirklich leidgetan. Für Pilsen, die Stadt und ihre Menschen. Das wäre fast nix geworden. Wenn da nicht das eine Highlight gewesen wäre, das den Wochenendtrip nach Böhmen doch noch rettete.

Pilsen ist mausetot an diesem Freitagabend im Januar. Freitagabend! Eigentlich ein Tag, an dem sich die Menschen ins Nachtleben stürzen. Hier? Nichts. Dabei hat die Stadt durchaus ihre Reize. Der große Platz der Republik (náměstí Republiky) bzw. der Hauptmarkt im Zentrum mit der Bartholomäus Kathedrale in der Mitte, darum herum die hübsch anzuschauende Altstadt, das Theater, der Bahnhof. Trotzdem herrscht hier tote Hose. Das verstehen wir nicht.

Inhalt: [K1: Ein paar Menschen mehr …] [K2: K.u.K-Charme …] [K3: Was wir in Pilsen alles nicht gemacht haben] [K4: Brauereibesichtigung (mit video!) und Rettung] [K5: Zum Schluss beinahe noch Vegetarier geworden] [K6: Reise-Fakten]

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Ein paar Menschen mehr auf der Straße würden der Stadt guttun

Denn immerhin ist Pilsen Universitätsstadt. Gut 18.000 Studenten sollen hier an der renommierten Universität studieren. Wo sind die nur? Es gibt eine Partnerschaft mit der Universität Nürnberg, soweit ich weiß. Aber auch das hat keine Auswirkungen auf die Lebhaftigkeit des Nachtlebens.

Bartholomäus Kathedrale, Pilsen

Bartholomäus Kathedrale, Pilsen

Wir wohnen im „Hotel Rango“. Ein schönes, preiswertes Haus mit neuen, sauberen Zimmern. Es liegt in der Altstadt auf der Pražská (Hausnummer 10), in direkter Nachbarschaft zum Platz der Republik. Nach gut zweieinhalb Stunden erreichen wir also Pilsen mit dem Auto. Und das stilecht im Skoda Superb. Hintergrund: Pilsen, die tschechische “Motor City”, ist die Heimat von Skoda. Damit, also mit dem Superb, funktioniert die Reise von Bamberg nach Pilsen absolut reibungslos. A73, A3, A6, E50 und zack ist man da. Die Entfernung: gut 250 Kilometer.

Es ist bitterkalt an unserem ersten Abend in Pilsen. Wintereinbruch. Es schneit. Der Schnee hüllt die Stadt in ein weißes Kleid. Gerade in der Altstadt sieht das sehr romantisch aus. Nur, ein paar Menschen mehr auf der Straße würden der Stadt guttun. So ganz ohne Leben wirkt das alles wie eine Filmkulisse.

Nitro Bar, Pilsen, Szenetreff für sehr junge Menschen

Nitro Bar, Pilsen, Szenetreff für sehr junge Menschen

Wenigstens etwas Publikum dann im „Nitro“, einer Bar auf der Veleslavínova (Hausnummer 11, Facebook Seite →). Wir betreten den Laden und stellen fest: alle so verdammt jung hier. Die Party ist in vollem Gange, die Jungs und Mädels grölen tschechische Hits, die von DJ „Youtube“ gespielt werden. Die Stimmung ist zwar nicht explosiv wie der Name der Bar vermuten lässt, aber doch ausgelassen. Wir bestellen Bier, das hier in Pilsen selbstverständlich sehr gut schmeckt, fühlen uns aber zwischen den Schülerinnen und Schülern doch etwas deplatziert. Das könnten teilweise unsere Töchter und Söhne sein.

Den insgesamt enttäuschenden Auftakt in Pilsen macht dann eine Cocktailbar, deren Name ich leider vergessen habe, weg. Weil aber die gastronomische Szene der Stadt doch sehr überschaubar ist, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit insofern exponentiell, früher oder später beim eventuellen „Nachreisen“ auch auf dieses Mix-Getränk-Etablissement zu treffen – ob man will oder nicht. Auch wir stehen irgendwann davor und statten dieser Einrichtung also einen Besuch ab. Und: Wir sind angenehm überrascht. Gut, der Laden liegt im Keller, keine Fenster, kein Nichtraucherbereich, aber die Cocktails waren gut und günstig. Wie die generellen Preise in Tschechien bzw. Pilsen, deren niedriges Niveau Gäste aus den Euroländern zu schätzen wissen, weil sie hier noch reichlich Kaufkraft, gute Qualität und viele tschechische Kronen für ihr Geld bekommen. Piña Colada, Tequila Sunrise, Daiquiri, Gin Tonic usw. schmecken jedenfalls hervorragend, kosten umgerechnet aber nur zwischen drei und vier Euro.

Aufgrund der Tatsache, dass ich mit drei Frauen reise, droht das Gespräch während der ersten Cocktails in klassische Frauenthemen abzudriften. Beziehungen, Partner, Schuhe, Beziehungen und dann: Männer. Wusste ich es doch. Ich gebe den Verständnisvollen, befinde mich aber in Wirklichkeit längst in meiner „Nothing Box“. Denn, ich will das nicht hören. Das heißt, rein äußerlich erwecke ich zwar den Eindruck an der Debatte teilzunehmen, wenigstens jedoch aufmerksam zuzuhören und ab und zu mit einem „Klar“, „Sicher“ oder „Absolut“ meine aktive Beteiligung zu simulieren, tatsächlich meditiere ich mich sozusagen in ein kuscheliges Nichts hinein.

Da ist es nur logisch, dass die Damen irgendwann meine Abwesenheit bemerken. Insbesondere meine Freundin („Hörst Du überhaupt noch zu?“), der ich das „Nothing-Box-Theorem“ irgendwann einmal erklärt habe. Ein Fehler. Aber kein großer. Bin halt ich. Einfach mal nichts zu denken, kann so erholsam sein und hat rein gar nichts mit der Geringschätzung gegenüber Menschen zu tun, die während der Ausübung dieser Aktivität gerade anwesend sind.

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K.u.K.-Charme, Boulevards und Jugendstilgebäude

Selten geworden: Telefonzellen (gesehen im Mestský Park, Pilsen)

Selten geworden: Telefonzellen (gesehen im Mestský Park, Pilsen)

An Tag zwei machen wir uns gegen Mittag auf. Stadtspaziergang. Auch bei Licht betrachtet, macht Pilsen einen stattlichen Eindruck. Der K.u.K.-Charme ist quasi mit den Händen zu greifen. Der Weg führt uns durch den beschaulichen Mestský Park, der sich wie ein Halbkreis um die Altstadt rankt. Parallel zur Grünanlage verläuft die boulevardähnliche Kopeckého sady, die in westlicher Richtung zur Smetanovy sady wird. Smetanovy sady? Moment. Smetana! Der berühmte böhmische Komponist! Recherche. Er lebte von 1840 bis 1843 in Pilsen und besuchte hier das Prämonstratenser Gymnasium. Wir wissen nicht, ob er auf dieser herrlichen Promenade, der Smetanovy sady, seiner ersten Frau, der vermutlich aus Pilsen stammenden Kateřina Kolářová, begnete. Vorstellbar ist es aber, wie sich die beiden hier, beim Spazierengehen, getroffen haben. Denn auf dieser Promenade ließ es sich nicht nur damals vortrefflich flanieren und lustwandeln. Weniger romantisch ist dagagen die Klatovská tř, die als breite Magistrale mitten durch Pilsen verläuft. Dort wird es merklich lauter. Dennoch: auch hier säumen zahlreiche Jugendstilgebäude den Weg, allen voran das wirklich sehr schöne Josef Kajetán Tyl Theater → (Divadlo Josefa Kajetána Tyla) und die riesige Synagoge.

Prominieren in Pilsen

Prominieren in Pilsen

Der deutsche Einfluss lässt sich in Pilsen nicht leugnen. Und gerade das mögen Tschechen nicht so sehr, ist zu lesen und zu hören. Deutsche und Tschechen, eine schwierige Beziehung, so die allgemeine Stimmungslage. Ein Klischee? Nicht ganz. Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass sich im zum Habsburger-Reich gehörenden Böhmen des 19. Jahrhunderts vor dem Hintergrund der Industrialisierung etliche Konflikte zwischen Deutschen und Tschechen abspielten. Für die Pilsener Brauerei holte man sich sogar Rat von einem deutschen Braumeister aus Vilshofen. Dazu kommt die ewige historische Debatte um die deutsche Minderheit, insbesondere die sudetendeutsche Bevölkerung sowie die damit in Verbindung stehenden „Benes Dekrete“. Eine gewisse historische Vorbelastung ist insofern nicht von der Hand zu weisen. Wenn sich dann noch deutsche Touristen aufführen wie auf dem Ballermann, dann kann man die Tschechen auch verstehen. Generell sollte man als deutscher Tourist versuchen, in Tschechien also nicht in die klassischen Stereotypen zu verfallen und irgendwelche Stammtischparolen zu dreschen. Man sollte sich in und mit allen Dingen einfach Zeit nehmen, Vergangenes vergangen bleiben lassen, nicht mit deutschen Errungenschaften protzen und, nur um sicherzugehen, nicht zu viel Pilsener Urquell trinken. Denn das löst die Zunge. Werden diese Regeln befolgt, dann klappt das auch mit den tschechischen Gastgebern. Selbst dann, wenn sie so unfreundlich sind wie im Potrefená Husa → (Internseite leider nur in tschechischer Sprache), einem Restaurant auf der Martinská (Hausnr. 10/1), sollte man gelassen bleiben und den Menschen offenherzig begegnen. Nur, an meiner Herkunft kann ich nun mal leider nichts ändern. An meinem Verhalten dagegen schon.

Im "Na Spilce"

Im “Na Spilce”

Unser Plan am Samstag an einer Brauereibesichtigung der Pilsener Brauerei teilzunehmen, haben auch zig andere Gäste aus Deutschland. Wir dagegen haben Pech. Ausgebucht. Heute. Dann eben morgen. Das hindert uns aber nicht daran, auf ein Bierchen in den Pilsener Keller Na Spilce → zu gehen, der sich nicht ganz unerwartet unterhalb des Pilsener Merchandise-Shops befindet, den man selbstverständlich erst passieren muss, bevor man tatsächlich auch ins Na Spilce gelangt. Verkaufspsychologie.
Das Restaurant ist riesig groß. Mit einer Kapazität von 550 Plätzen erinnert das Lokal in seinen Ausmaßen ans das Münchner Hofbräuhaus. Hier sind allerdings deutlich weniger Japaner. Im Na Spilce trinken wir aber nicht Pilsener Urquell, sondern Gambrinus, ein dunkles Lager, das ebenfalls vom Pilsener Konzern gebraut wird, aber eben in der eigenen Gambrinus Brauerei. Also Bier brauen können die Tschechen, keine Frage.

Viktoria Pilsen Tunnel

Viktoria Pilsen Tunnel

Der Weg zurück in die Altstadt führt uns vorbei am Stadion von Viktoria Pilsen, sozusagen das Borussia Dortmund der tschechischen Liga, anstatt in gelb-schwarz halt in blau-rot. Dabei laufen wir durch einen Fußgängertunnel, der komplett in den Vereinsfarben eingefärbt wurde, damit auch unterirdisch jedem klar wird, wer hier regiert. Immerhin haben in Pilsen schon Spieler wie Peter Czech (FC Chelsea) oder Pavel Nedved (Juventus Turin) gekickt. Selbstverständlich hat Pilsen auch eine Eishockey Mannschaft. Kaum zu glauben, dass hier, in Zentraleuropa, Eishockey Nr. 1 ist und nicht Fußball. Aber so ist es eben. Und genau das mag ich ja so.

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Was wir in Pilsen alles nicht gemacht haben

Häuserzeile, Platz der Republik / Hauptmarkt, Pilsen

Häuserzeile, Platz der Republik / Hauptmarkt, Pilsen

Wenn die Brauereiführung bereits ausgebucht ist, dann besuchen wir eben die historischen Bierkeller in der Altstadt. Sie gehören zum Brauereimuseum. Wie sollte es auch anders sein: auch hier Fehlanzeige. Geschlossen. Wegen Renovierung oder einfach wegen Urlaub oder so, ich kann den wahren Grund nicht entziffern, weil er halt in tschechischer Sprache an der Tür hängt. Wie praktisch. Ob das noch was wird, das mit Pilsen und uns?

In der Hoffnung auf Live Musik gehen wir nach einem guten Abendessen im Na Parkanu → ins Jazz Rock Café → (Sedláčkova 226/18). Es ist schließlich Samstagabend, da kann man doch in der EU-Kulturhauptstadt 2015 mit knapp 170.000 Einwohnern insgeheim mit so etwas wie Live Musik rechnen oder nicht? Nein, kann man nicht, lernen wir. Und das, obwohl uns das Internet im Vorfeld des Kurztrips Pilsen als den Geheimtipp, als „tschechisches Mekka der Rock und Metalmusik“ verkauft hat, wenn es um das Nachtleben, die Szene, den Kiez oder sowas geht. Eine blanke Lüge. Zumindest teilweise. Denn im Januar ist Pilsen tot. An Freitagen und Samstagen offensichtlich sowieso.

Im Jazz Rock Cafe, eine Livemusik Kneipe, in der es aber am Samstagabend leider keine Livemusik gibt.

Im Jazz Rock Cafe, eine Livemusik-Kneipe, in der es aber am Samstagabend leider keine Livemusik gibt. Deshalb: Wieder Frauenthemen! Ich kann damit leben.

Wer fährt aber auch im Januar schon nach Pilsen, könnten jetzt Kritiker behaupten. Solche Menschen, die mit besten Absichten hierherkommen und etwas erleben wollen. So wie … wir? Im Jazz Rock Café, wo zwar Jimmy Hendrix, Phil Collins, Carlos Santana, David Coverdale und andere Größen von Fotos an der Wand um die Wette posen, aber niemand Ihre Lieder live zu spielen bereit ist, trinken wir ein Gutenacht-Bier. Wenn wir schon mal da sind.

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Brauereibesichtigung und Rettung

Am Sonntag dann: Brauereibesichtigung. Es empfiehlt sich überigens die Tickets rechtzeitig vor der Anreise im Internet zu buchen →. Unsere Gruppe ist erfreulich klein. Wir sind gerade mal zu neunt. Die sehr nette Maria ist unser Guide. Sie wird uns durch die riesige Anlage führen und uns etwas über das Bier und die Brauerei erzählen. Alles begann, wie so viele andere Geschichten auch, damit, dass die Menschen unzufrieden waren.

Pilsener Brauerei

Pilsener Brauerei

In Pilsen, wo im 19. Jhd. mehrere hundert Bürger das Braurecht besaßen, schaffte es niemand, ein wohlschmeckendes Bier herzustellen. Das ging den Menschen so gegen den Strich, dass sie, erstens, ihre Kompetenzen bündelten und aus den vielen hundert Kleinbrauereien eine Großbrauerei formten. Und schließlich griffen die Bierbauer aus Pilsen auf ausländisches Bierwissen zurück. Das kam aus Bayern nach Tschechien, genauer gesagt aus Vilshofen. Warum ausgerechnet aus Bayern? Weil das bayerische Bier damals wie heute einen ausgezeichneten Ruf genoss. So wurde Josef Groll im Jahre 1842 offiziell zum ersten Braumeister der Pilsener Brauerei (Plzeňský Prazdroj) ernannt. Bier brauen, in Grolls Familie war das Tradition. Bereits sein Vater experimentierte mit untergärigen Brauverfahren, auf dem später auch die Sorte Pilsener Urquell, entwickelt von Sohn Josef, basieren sollte. Das Besondere dabei: Untergäriges Bier erfordert eine Abkühlung des Suds auf 4 bis 9O C. Das war in Pilsen nicht schwer, weil in Böhmen ähnliche klimatische Bedingungen herrschten wie in Bayern. Groll verwendete leidglich andere Rohstoffe als zu Hause. So kamen z. B. ein nur leicht geröstetes Malz und Hopfen aus dem nordböhmischen Saaz zum Einsatz. Diese Zutaten verleihen dem Pilsener Urquell auch heute noch seinen unverwechselbaren Geschmack.

Auch so geht CI: Pilsener Urquell

Auch so geht CI: Pilsener Urquell

Die Brauerei selbst ist heute natürlich ein hochmoderner Industriebetrieb mit, soweit ich mich erinnere, gut 1200 Mitarbeitern, riesigen Abfüllanlagen (VIDEO ), die gut 120.000 Flaschen pro Stunde mit dem goldgelben Stoff befüllen, und einem Sudhaus, das auf dem absolut neuesten Stand der Technik ist. Dagegen wirkt das alte Sudhaus, das im Rahmen der Führung auch besichtigt wird, wie ein Ort purer Nostalgie. Geflieste Böden und Wände, lassen diesen gigantischen Raum beinahe wie eine historische Badeanstalt erscheinen, wenn da nicht die sechs riesigen, alten Kupferkessel wären. Damit durchbrach man bereits im Jahre 1914 erstmals den Ausstoß von über einer Million Hektoliter Bier. Gut 100 Jahre später, 2013, waren es knapp 10 Millionen Hektoliter. Zum Vergleich: Das von mir hochgeschätzte Mahr’s Bräu aus Bamberg hat einen Ausstoß von ca. 25.000 Hektoliter pro Monat, habe ich mal gehört. Im Jahr wären das insgesamt 300.000 Hektoliter. Nur, um mal die Dimensionen zu verdeutlichen. Aber: Pilsener Urquell gehört auch zum Weltkonzern SABMiller, Mahr’s Bräu halt nicht. Und das ist auch ganz gut so.

Pilsener Brauerei: Gigantisches Kellerlabyrinth

Pilsener Brauerei: Gigantisches Kellerlabyrinth

Die Besichtigung ist auf jeden Fall nicht nur für Bierliebhaber ein absolutes Highlight, das man nicht verpassen sollte – und ein versöhnlicher Abschluss unseres etwas unglücklichen Pilsen-Aufenthalts. Die Tour ist gewissermaßen ein faszinierender Grenzgang, der sich zwischen Geschichte und Gegenwart bewegt. Thematisch wird den Besuchern in mehreren Ausstellungen, Videos und konkreten Exponaten dieses einzigartige Kulturgut, dessen Herstellung und Geschmack nicht nur nähergebracht. Der kleine Gollsche Ur-Hefestamm aus dem 19 Jhd., von dem noch heute die Hefe für das Bier gezüchtet wird, ist gerade deshalb so beeindruckend, wenn man bedenkt, dass aus etwas so Winzigem tatsächlich ein Imperium von Weltformat entstehen kann. (Video→) Unternehmensgeschichte zum Anfassen. Quasi. Denn das gute Stück wird heute art- und klimagerecht hinter Glas gehalten und ist nur durch einen klitzekleinen Schlitz zu sehen.

Maria erklärt ...

Maria erklärt …

Wenn man in die kilometerlangen, unterirdischen und kalten Keller der Brauerei hinabsteigt, ist der Höhepunkt der Besichtgung erreicht. In diesem Labyrinth aus Gängen wurde einst das Bier gelagert. Heute werden diese Katakomben mit den riesengroßen Holzfässern nur noch zu Demonstrationszwecken und aus senitimentalen Gründen – halt der langen Unternehmensgeschichte wegen – genutzt. Zum Beispiel für Verkostungen des frischen, ungefilterten Bieres. Ein Hochgenuss! Wirklich! Und weil auf dem Weg ins alte, geflieste Sudhaus der Aufzug nicht funktioniert hat und es zu einer etwas längeren Verzögerung kam, die wir ohne Murren hinnahmen, erlaubt uns Maria deshalb auch zwei Gläser dieses superfrischen und edlen Stoffes zu konsumieren.

Bierverkostung in der Pilsener Brauerei

Bierverkostung in der Pilsener Brauerei

Da bereue ich meine vorlaute Entscheidung, mich den Damen als Fahrer für den Nachhauseweg angeboten zu haben, weshalb ich nur ein oder zwei Schluck dieses „hoch-zoschigen“ und direkt aus dem Holzfass gezapften Gebräus probieren darf. Sie lesen meine Blicke und kommentieren mein Missgeschick mit einem achselzuckenden „Tja.“

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Zum Schluss beinahe noch Vegetarier geworden

Wenigstens kommen sie meinem Wunsch nach, noch etwas zu essen, bevor wir nach Hause fahren. Das erledigen wir in genau jenem Lokal, dass als eines von zweien eben dieses ungefilterte Bier aus den unterirdischen Kellern der Brauerei ausschenken darf: im Na Parkánu → (es grenzt direkt an die historischen Bierkeller / das Biermuseum – nicht zu verwechseln mit den Kellern der Brauerei!). Wir nehmen drei „Ungefilterte“ und für mich ein Wasser.

Pilsen, Hauptmarkt / Platz der Republik

Pilsen, Hauptmarkt / Platz der Republik

Ich bestelle Schweinshaxe, die uns unser Kellner knackig, zackig in perfektem Niederbayerisch empfiehlt, weil er eben aus Niederbayern kommt. Was er mir dann aber tatsächlich bringt, hat eher die Ausmaße von einem Dinosaurier-Bein, denn einer Schweins-Haxe. Ein Grund, weshalb ich die Beilage – böhmische Knödel mit reichlich Sauce selbstverständlich – weglasse und mich ausschließlich dem Kampf mit diesem Fleischberg widme. Zunächst schmeckt so viel Fleisch auf einem Haufen wirklich ausgezeichnet. Als ich mit dem Monster dann aber fertig bin, beschließe ich: nie mehr Fleisch. Ich bin so dermaßen übervoll, ich glaube ich platze und befürchte ernsthaft, dass meine Zeiten als passionierter Fleischesser endgültig vorbei sind und ich, ob ich will oder nicht, angesichts dieses Fleischexzesses konsequenterweise zum Vegetarier werde. Aber im Leben ist eben alles relativ. Wie Pilsen auch. Insofern: Ich bin es nicht geworden. Vegetarier. Wär’ ja noch schöner.

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Pilsen an einem Wochenende im Januar 2016 – Die Reise-Fakten

Informationsüberblick:

Offizielle Website Pilsen: http://www.pilsen.eu/de/turist/ →

Unterkunft:

  • Hotel Restaurant Rango, Pražská 10, http://de.rango.cz →
    DZ, Frühstück 65 EUR, Parkgelegenheiten vorhanden. Sehr gutes Frühstück mit exzellentem Omelette, sehr nettes Personal.
  • Hotel Buchung über booking.com

Besichtigung der Pilsener Brauerei (tschechisch: Plzeňský Prazdroj):

Besuchte Restaurants und Bars:

Anreise:

  • Auto
    A6 Nürnberg – Prag (ca. 200 km)
    A73/A3/A6/E50 Bamberg – Nürnberg – Prag (ca. 250 km, Fahrzeit gut 2,5 Std.)
  • Zug
    Nürnberg HBF – Pilsen, in ca. 3,5 Stunden
  • Flugzeug
    Airport Nürnberg, dann weiter mit dem Zug oder Mietwagen (ca. 200 km)
    Airport Prag, dann weiter mit dem Zug (ca. 1,5 Stunden) oder Mietwagen
    Airport München, dann weiter mit dem Zug oder Mietwagen (ca. 280 km)

Reisezeit:

Ende Januar 2016

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