Schlange stehen, staunen, Trump-Demo

Nachdenken, innehalten? Vielleicht beim Warten auf die Metro ...

Nachdenken, innehalten? Vielleicht beim Warten auf die Metro …

Ganze Sätze zu schreiben, dafür ist in New York City eigentlich keine Zeit. Und überhaupt: Zeit, ein Fremdwort, nein, ein Fremdkörper in dieser Stadt. Darüber redet man nicht. Zeit, dafür hat man keine Zeit. Sie spielt keine Rolle. New York hat sich längst selbst überholt. “The City, that never sleeps.” Um dorthin zu gelangen, müssen wir aber zunächst einreisen. Das dauert. Wir stehen Schlange, gut zwei Stunden. Mit uns tun das gut 300 andere Reisende. Sie alle wollen dahin, wo es keine Zeit gibt. Ich komme mir ein bisschen vor wie Momo.

Cops und Demonstranten überall. Das stimmt mich zuversichtlich.

Der Bus lässt uns an der Grand Central raus. Von hier sind es nur noch gut 15 Gehminuten zum Hotel. Wir geraten mitten in die Anti-Trump-Demo. Denn Trump ist heute im “Grand Hyatt” um die Ecke, wie wir später in den TV-News erfahren. Die “Grand Old Party”, die Republikaner, sie veranstalten dort eine Fundraiser-Gala. Das gefällt vielen Menschen offensichtlich nicht. Cops und Demonstranten überall. Das stimmt mich zuversichtlich. Es gibt also noch Hoffnung für dieses Land. Wir laufen mit unserem Gepäck mitten durch die Demo, die hier nicht auf abgesperrten Straßen stattfindet, wie man das aus Europa kennt, sondern oft auf dem Gehweg. Das stört keinen. Auch uns nicht. Von links schreit mir eine Amerikanerin “Racist” ins Ohr. Mein Trommelfell übersteuert dabei etwas und ich weiß, das war nicht für mich gemeint. Ihr Wutausbruch richtet sich gegen irgendjemanden rechts neben mir, vermutlich einen Cop oder so.

Diese Stadt, sie “f***t” dein Gehirn. Und Du findest es gut.

Tag eins. Frühstück im Cafe Oxford auf der Lexington Av. Subway-Ticket kaufen. Stadtrundfahrt durch Downtown. Greenwich, Financial District, Ground Zero, Empire State, New YorkMeetpacking District, Chelsea, Times Square … es nimmt kein Ende. Rauf aufs Empire State. Glotzen, anders kann man es nicht beschreiben. Tour des Staunens. Abendessen in Little Italy. Endlich haben wir Zeit etwas durchzuschnaufen. Diese Stadt, sie “f***t” dein Gehirn. Und du findest es gut. Weil du so etwas noch nie gesehen hast. Es wäre gut, wenn du jetzt auf dem Höhns-Keller in Tiefenellern sitzen würdest und darüber mal bei einem Seidla in Ruhe nachdenken könntest. Aber, keine Zeit, sich darüber einen Kopf zu machen. Tag zwei. Es geht weiter.

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