G’schwind auf a Seidla nach London – 3/5

London Sightseeing im Big Bus

London Sightseeing im Big Bus

Sightseeing in London. Das erledigen wir ganz praktisch für schlappe 100 Pfund für zwei Personen auf einer Big-Bus-Cabrio-Stadtrundfahrt. Einmal die blaue Linien ganz rum dauert etwa drei Stunden, sagt der Typ am Ticketschalter. Tatsächlich sind es fast fünf. Das ist nicht weiter überraschend, denn wie jede andere Weltstadt, stirbt London wie auch Berlin, Paris, New York etc. pp. täglich am berühmten Verkehrsinfarkt, steht am nächsten Tag aber wieder auf, um gleich nochmal eins in die Fresse zu kriegen – das geht munter so weiter, jahrein, jahraus. Die Großstadt, die Weltmetropole an sich, ist wohl der einzige Organismus der multipel kollabieren kann und dabei auch noch lacht. Als mitverursachender Tourist kann man der Stadt dabei bequem vom Cabrio-Deck aus zuschauen.

Kleiner Zwischenfall am Westminster Palace

Während sich unser Big Bus also im Stop-and-Go-Modus durch Oxford Street und Circus, Piccadilly Circus, Trafalgar Square, Westminster Palace, – Bridge und – Pier, Regents Street, Fleet Street, St. Paul’s, Tower, Financial District usw. usf. in einer nicht enden wollenden Blechlawine yard für yard durch London quält, atmen wir oben die frische, mit reichlich CO2 angereicherte Luft ein und genießen das Großstadtschauspiel, das sich uns da vor einer grandiosen Kulisse aus viktorianischer Architektur bietet. Als wir am Westminster Palace, wo das House of Parliament zu Hause ist, vorbeikommen, fällt uns die massive Polizeipräsenz auf. Ich vermute eine Demo, z. B. gegen den Brexit. Eine andere Erklärung könnte sein, dass die Polizei wegen des Anschlags vor wenigen Wochen mit diesem Aufgebot Stärke zeigen will. In Wirklichkeit wurde aber in unmittelbarer Nähe von Parlament und Downing Street ein Mann auf offener Straße festgenommen. In England nennt man das „Stop & Search“. Zu Recht, wie sich später herausstellte. Der Mann trug einen Rucksack mit sich, der mit allerhand Messern vollgepackt war. Offensichtlich hatte er vor, die auch einsetzen, ist am nächsten Tag in Daily Mail, London Times und BBC zu lesen, zu hören und zu sehen. Gut, dass er das nicht tun konnte. Das alles trug sich zu, als wir just am Parlament vorbeifuhren und ohne, dass wir es merkten. Demo! Naivität ist manchmal ein schützender Zeitgenosse.

Wir steigen am Kensington Garden aus, um dort, im Kensington Palace, die Lady Di-Ausstellung zu besuchen. Ich darf – wieder ganz wertfrei – sagen, dass das nicht mein unbedingter Wunsch war. So hat jeder seins. Und ich darf berichten, dass die Schau, in der die Kleider der Prinzessin ausgestellt sind, in der Tat überraschend gut inszeniert ist. Ich kann jetzt zumindest ein bisschen verstehen, warum Frau Spencer die Menschen auch posthum immer noch in ihren Bann zieht – und das gut 20 Jahre nach ihrem tragischen Tod.

So eine Ausstellung kostet natürlich. Ihre Refinanzierung sichern einerseits die Eintrittsgelder. 15 Pfund werden für ein Ticket verlangt, dass uns eine nette Britin am Empfang aushändigt und uns fragt, von wo wir kommen. Ihre Frage beantworte ich mit „Germany, Bavaria“, worauf sie nachfragt, „From where exactly in Bavaria?“. Meine, wie sich kurze Zeit später herausstellen sollte, aus prophylaktischen Gründen überflüssige Voraussicht, als Ortsangabe Nürnberg zu nennen und mit „small city, 60 kilometers north of Nuremberg“ zu ergänzen, weil ich vermute, dass die junge Frau Bamberg so wenig kennt wie wir sie, antwortet sie, „I am going to Bamberg in a few weeks. I like the Beer there!“. Maximale Sprachlosigkeit macht sich bei uns breit. Damit hatten wir jetzt so nicht gerechnet. Das Tourismusbüro der Stadt Bamberg hat gute Arbeit geleistet, das steht fest. So viel zum Thema „hidden gems“.

Was Unsexiness mit Schulterpolstern zu tun hat

Unentdeckte Schmuckstücke waren die Kleider von Diana dagegen nie. Die Frau war eine globale Marke. Sie wurde von den namhaftesten Modedesignern dieser Welt relelrecht in Szene gesetzt – obwohl wirklich gräuslige Entwürfe aus den 1980ern in der Ausstellung dabei sind. Aber was will man erwarten von einer Modepoche, die von so etwas so Unsexiem wie Schulterpolstern im wahrsten Sinne des Wortes getragen wurde. In der Ausstellung erfährt man, das Mode für Diana nicht einfach nur Mode war. Alle Klamotten, die sie von Versace und Co. für öffentliche Auftritte verpasst bekam, sollten auch immer eine Botschaft übermitteln. Bevor also ein Kleid angefertigt wurde, musst zuerst das Konzept passen – und da mischte wohl, so ist zu lesen, Diana in großem Umfang mit. Sonst blieb ihr ja auch nicht viel übrig, außer gut auszusehen, Charity zu betreiben und ihre Klamotten sprechen zu lassen, wenn man bedenkt, dass politische Entscheidungen auf anderer Ebene getroffen wurden. Sie war stets nur hübsches Beiwerk, nett anzuschauen, aber trotzdem, so berichten Zeitzeugen, war Ihre Präsenz, wenn sie einmal den Raum betreten hat, mit den Händen greifbar. Und Präsenz kann sich ja dann ja auch irgendwie auf Politik und das, was dort stattfindet, auswirken.

Schwarz auf weiß

Schwarz auf weiß

Wie auch immer, so ein Leben kann anstrengend sein und ist es auch, das wissen wir nicht erst seit Frau Spencer. Aber sie war ein guter Mensch mit einem großen Herz und – in den 1980ern zumindest – mit einer echt fiesen Frisur, über die wohl selbst sie sich heute kaputtlachen würde. Mit größtem Engagement setzte sie sich für Schwache, Kranke und Minderheiten ein und verlieh der in dieser Zeit oft sehr kühl daherkommenden Königsfamilie ein menschliches Antlitz. Dieses Bild setzt auch der Museums-Shop mit maximaler Konsequenz auf zahllosem Merchandise um. Neben den Eintrittsgeldern refinanziert der Verkauf von allerhand Bekleidung, Taschen, Handtüchern, Bademänteln, Tassen, endlos vielen Büchern und sogar Kosmetika, die von Sponsor Estée Lauder feilgeboten werden, die Ausstellung – mindestens. Eine Aufgabe, mit welcher der Shop wohl keine größeren Probleme bekommen dürfte. Denn: Diana ist längst zu einer Ikone geworden. Darauf lässt sich prächtig ein Geschäftsmodell aufbauen. Die Windsors profitieren noch heute von dem ehemaligen „black sheep of the family“ Diana, ob sie wollen oder nicht. Bei allen Affären und Eskapaden, die Royals sind ultrapopulär in England und der Welt. Sohn William, dessen Frau Kate und sogar deren Kinder, die ja im Kensington Palace residieren, tragen diesen Glanz und Glamour weiter und bieten reichlich Futter für eine Fortsetzung dieser Marketing-Strategie. (Dass ich einmal so viel über Diana nachdenke, hätte ich mir auch nie träumen lassen.)

Fortsetzung folgt …

G’schwind auf a Seidla nach London – 1 / 5

G’schwind auf a Seidla nach London – 2 / 5

G’schwind auf a Seidla nach London – 4/5

G’schwind auf a Seidla nach London – 5/5

G’schwind auf a Seidla nach London – Fotos

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