Bananenfreie Zone: Totes Meer, Kibbuz und Jerusalem

Alltag in Israel

Alltag in Israel

Nach dem See Genezareth geht es für uns weiter Richtung Totes Meer. Mit knapp 120 Kilometern die wohl längste Etappe unserer Rundreise. Hier wollen wir unsere ganz persönliche Kibbuz-Erfahrung machen. Wir übernachten im Kibbuz Almog.

Zuvor fahren wir aber durchs Jordan Tal. Schön ist es hier. Nach Bet’Shean wird es dann aber arg karg. Wie vom Donner gerührt kommt nach einer Kurve so etwas wie eine Grenzstation auf uns zu. Israelische Flagge hier, palästinensische Flagge drüben. Was ist los? Müssen wir jetzt etwa durch palästinensisches Hoheitsgebiet. Dürfen wir das? Mit einem Budget Auto? Wir zögern, setzten zurück, was einen Busfahrer hinter uns dazu veranlasst für etwa 3 Minuten auf der Hupe zu stehen. Unsicherheit. Dann entschließen wir uns für einen Anruf bei unserem Veranstalter in Tel Aviv. Der beruhigt uns: “Keine Panik. Ihr dürft da durch.” Phuuu. Also dann. Wir sind in der West Bank. Jenes Gebiet, das früher noch heftig umkämpft war.

West Bank: Danger to Live - LebensgefahrDie Fahrt geht vorbei an Nablus, der größten Stadt in der West Bank. Dann kommen wir an einen Abzweig, der nach Jericho führt. Da wollten wir eigentlich hin. Bis uns ein riesiges rotes Schild mit Ansagen wie “Danger to Live” usw. davon abhält. Nun gut. Dann eben kein Jericho. Also fahren wir weiter durch die Wüste, bis wir endlich nach Almog kommen. Wie eine Oase liegt das Kibbuz mitten in der Sandsteinwüste. Und es ist gut bewacht. Eine Schranke und vor allem schwer bewaffnete Soldatinnen der israelischen Armee beschützen uns in der nächsten Nacht. Müssen wir uns Sorgen machen?

Kibbuz Almog

Kibbuz Almog

An der Rezeption wartet eine große Gruppe auf die Abreise. Wie sich herausstellt ist es die Gewerkschaft der Polizei. Aus Deutschland. Aha. Gut, das die bald weg sind. Das Kibbuz muss man mögen. Kein Luxus, zum Teil alte, baufällige Anlagen, aber es ist sauber. Kein Wunder. Diese Organisationsform des Zusammenlebens war ursprünglich ein strategischer Bestandteil der Besiedlung Isreals. Alle berühmten Israelis kamen aus dem Kibbuz. Z. B. Golda Meir oder Teddy Kolek, der frühere Bürgermeister Jerusalems. Die Kibbuz-Idee entstand nach dem Krieg. Sie stand für den neuen israelischen Menschen, der sich für die Gemeinschaft einsetzt, in ihr aufgeht und sich ihr gegenüber stets solidarisch verhält. In ihnen wurden größtenteils Landwirtschaft betrieben. Die Arbeit selbst wurde nach dem Rotationsprinzip erledigt. Almog KibbuzJeder Kibbuz-Bewohner musste quasi alles können. Der Verdienst wahr gleich, Privatbesitz gab es nicht. Kommt einem irgendwie bekannt vor. Das Prinzip ist in der Tat sehr ähnlich zum Sozialismus. Gleichheit, Gemeinschaft, Solidarität. Konsequenterweise konnte auch das nicht lange gut gehen. Im Fortgang der Zeit verließen immer mehr junge Menschen die Kibbuze. Ihr Ziel: Tel Aviv, Haifa, Jerusalem. Es setzte eine Veralterung der Kibuzz Bewohner ein. Dazu kamen: Schulden.

Es musste etwas passieren. Also entdeckten die Kibbuze den Tourismus. Dass der Staat ihnen gegen Land etwa 2 Milliarden US $ an Schulden erließ, ist eine bemerkenswerte Begleiterscheinung. Wie dem auch sei: Die Kibbuz-Idee an sich hat etwas. Ein Leben in der Sonne, frei von Sorgen, weil man das, was man zum Leben braucht, eben von der Gemeinschaft bekommt …. ein romantischer Gedanke. Blöd nur, dass er nicht real umzusetzen ist. Das Problem: Der Mensch strebt nach Fortschritt. Und hier beginnen die Probleme. Auch für das Kibbuz. Na ja … wir waren jedenfalls da und konnten uns ein Bild machen, wenngleich vom Kibbuz alter Prägung nicht mehr viel übrig ist.

Totes Meer

Totes Meer

Am Nordufer des Toten Meeres lassen wir es uns nicht nehmen, auch mal reinzuhüpfen. Für 140 Schekel gewährt man uns Zutritt zu einer der drei Beaches. Schwimmen darf man nur hier. Auf einer Breite von ca. 30 Metern. Na ja, schwimmen kann man das eigentlich nicht nennen. Das Wasser ist so flach, man stößt sich ständig am Untergrund. Dort liegen Salzkristalle, die mitunter sehr scharfkantig sind. Wer sich da aufritzt bekommt die reinigende Kraft des Salzes mit voller Wucht zu spüren. Ein Spritzer des wirklich unglaublich salziges Wassers ging in mein Auge. Nicht schön. Etwas unwohl wird mir auch wegen der F16 Kampfjets, die in regelmäßigen Abständen über das Tote Meer fliegen. Im Tiefflug. Mal zu zweit, dann zu viert! Aber das Personal bliebt ruhig. Also wir auch. Im leicht salzigen Süßwasser-Pool schwimmen wir noch einige Bahnen, bevor wir uns auf den Weg nach Jerusalem machen.

Hinter der Mauer: Ost Jerusalem

Hinter der Mauer: Ost Jerusalem

Die Fahrt ist kurz, vielleicht 40 Kilometer. Es geht durch die Bergwüste. Dann sehen wir die Mauer. Unglaublich. Die haben da wirkliche eine Mauer gebaut. Wie in Berlin. Wie in Belfast. Dahinter: Ost-Jerusalem. Für einen Deutschen ist das ein seltsamer Anblick. Der Verkehr wird dichter, demzufolge wird auch mehr gehupt. Dass man sich hier auf kritischem Gebiet befindet, sieht man an den UN-Fahrzeugen, die hier herumfahren. Wir wissen, wo die sind, ist prinzipiell mit Stress zu rechnen. Dass an diesem Ort zumindest erhöhte Alarmbereitschaft herrscht, ist auch an den bewaffneten Polizisten und der Armee zu erkennen. Selbst Privatleute tragen hier vereinzelt ihre Waffe mit sich herum. Is so. Muss man sich daran gewöhnen.

“Issa is the name, Basketball is the game.”

Wo sie sind, ist immer was los: Die UN.

Wo sie sind, ist immer was los: Die UN.

Im Cafe in einer Seitengasse der Yehuda Str., Jerusalem

Im Cafe in einer Seitengasse der Yehuda Str., Jerusalem

Bei soviel Waffenpräsenz ist das Leben in Jerusalem jedoch sehr vital und locker. Wir gehen in die Yehuda. Sie ist das Zentrum Jerusalems. Um sie herum befindet sich sozusagen die Einkaufsmeile der Stadt. In der Yehuda lassen wir uns in einem Cafe nieder, essen, trinken und schauen den Leuten zu. Schön. Dann laufen wir weiter Richtung Altstadt. Wir stoßen auf ein junges jüdisches Paar, er mit Gitarre, sie mir Geige. Sie spielen “Stairway to Heaven” – eine etwas eigenwillige Interpretation, aber gut.

Am Yaffa Gate betreten wir die Old Town. Das christliche Viertel liegt gleich links vom Yaffa Gate. Wir laufen durch die Gassen und entdecken ein lustiges Banner, das an einer Hauswand hängt: “Issa is the name, Basketball is the game.” Auch eine

Jerusalem Altstadt, christliches Viertel: Glaubensbekenntnis

Jerusalem Altstadt, christliches Viertel: Glaubensbekenntnis

Form des Glaubens, hier in der Stadt der Religionen und im Land des Basketballs. Dann werfen wir noch einen Blick in die David Straße, eine schmale Gasse, in der tausende von Händlern ihre Ware anbieten. Als wir durchlaufen, schließen die ersten bereits oder spielen vor dem Feierabend eine letzte Partie Backgammon (Tavli) … tbc

 

 

 

 

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